Fernwärme-Kunden können Geld sparen

Neue Regeln für die Fernwärme stärken die Rechte von Verbrauchern deutlich. Damit lassen sich bis zu ein Viertel der Heizkosten einsparen. Was Hausbesitzer beachten sollten.

Es war eine Blitzaktion des ehemaligen Bundeswirtschaftsministers Peter Altmaier: In seinen letzten Amtstagen ließ der CDU-Politiker zwei Paragrafen der Allgemeinen Vertragsbedingungen Fernwärme AVB abändern – weitgehend unbemerkt von Lobby und Öffentlichkeit. In dem laut vieler Experten veralteten Regelwerk finden sich nun Bestimmungen, die Fernwärmekunden deutlich besserstellen. Eigentümer und Mieter können nun nämlich Heiznebenkosten deutlich senken.

Möglich macht es der neue Paragraf 3 in der Verordnung über allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme AVB. Dort wird Kunden die Möglichkeit eingeräumt, die sogenannte Wärmeleistung ohne Nennung von Gründen im laufenden Vertrag auf die Hälfte reduzieren zu lassen.

Was bedeutet das? Die Wärmeleistung bezeichnet die vom Versorger maximal zur Verfügung gestellte Wärme. Das Problem: Häufig ist sie viel zu hoch und wird so gar nicht gebraucht. Die Kunden bezahlen trotzdem dafür. Die Wärmeleistung wird mit dem fixen Grundpreis berechnet, der neben den Verbrauchskosten häufig etwa die Hälfte der Gesamtrechnung ausmacht. Nach Recherchen des ARD-Verbrauchermagazins Plusminus können Kunden unterm Strich mit der neuen Regel bis zu 25 Prozent der Heizkosten sparen.

Bislang haben Versorger in regionaler Monopolstellungen teils extreme Preissteigerungen durchsetzen können. Häufig existiert ein Anschluss- und Benutzungszwang. Die Bewohner müssen also mit Fernwärme heizen und können nicht wechseln.

Ein Durchschnittshaus mit 150 Quadratmeter neueren Baujahres bräuchte nach einer Übersicht des Forums für Energieeffizienz VdZ etwa 7,5 Kilowatt. Die zu Grunde gelegte Wärmeleistung kann in der Regel der Jahresrechnung des Versorgers entnommen werden

Seit Jahren beobachten Verbraucherschützer, dass die Wärmeleistung vieler Gebäudeanschlüsse überdimensioniert ist und sich ohne Probleme reduzieren lässt. In der Praxis wurden im Einvernehmen mit einigen Stadtwerken Wärmeleistungen tatsächlich schon halbiert, ohne dass es je zu einer Unterversorgung kam. Auch der Verein Bund der Energieverbraucher beklagt das Problem überhöhter Anschlusswerte.

Thomas Engelke, Leiter Energie und Gebäude des Verbraucherzentrale Bundesverbands, rät vor einer Reduzierung zu einer Prüfung der benötigten Leistung, um die Gefahr einer Unterversorgung auszuschließen. Betroffene Verbraucherinnen und Verbraucher sollten als erstes zur Energieberatung gehen, sich beraten lassen. Dann könnten sie dem Fernwärmebetreiber mitteilen, dass sie ihre Anschlussleistung reduzieren wollen, und sie könnten das um bis zu 50 Prozent auch machen.

Die bisherige Neuerung in den AVB Fernwärme wurde schnell geschrieben, um einem EU-Vertragsverletzungsverfahren im Zuge der Umsetzung der Energieeffizienzrichtlinie zu entgehen. Das Wirtschaftsministerium überarbeitet aber gerade die AVB Fernwärme noch einmal grundlegend. Noch im Februar soll ein Entwurf vorliegen, der bis Ostern verabschiedet werden soll.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) befürchtet, dass eventuell diese Neuregelung zur Reduzierung der Anschlussleistung noch mal geändert werden könnte. Das will der VZBV aber auf keinen Fall – es sei richtig, so wie es jetzt geregelt ist. Kunden sollten also die derzeitige Chance auf Reduzierung der Wärmeleistung wahrnehmen.